SWOT-Analyse verdichten mit KI

… ohne dem Team das Denken abzunehmen

In vielen Strategie-Workshops entsteht bei der SWOT zuerst genau das, was entstehen soll: Vielfalt. Das Führungsteam sammelt Beobachtungen, benennt Stärken und Schwächen, diskutiert Chancen und Gefahren. Auf den Pinnwänden hängen am Ende nicht selten 30 bis 50 Karten pro Quadrant. Insgesamt kommen so weit über hundert Einzelbeobachtungen zusammen. Diese Breite ist wertvoll, weil sie Erfahrung, Marktkenntnis und unterschiedliche Sichtweisen sichtbar macht. Gleichzeitig entsteht genau an diesem Punkt ein praktisches Problem: Die SWOT ist reichhaltig, aber noch nicht arbeitsfähig

Für die weitere Strategiearbeit reicht es nicht, viele Karten an der Wand zu haben. Wir verdichten diese zu einer aussagekräftigen SWOT Nicht bis zur Beliebigkeit, sondern bis zu jener Form, in der sie Orientierung gibt. Entscheidend ist nicht die Auflistung einzelner Punkte, sondern deren Verdichtung und Gewichtung. Lange, ungewichtete Listen gehören zu den typischen Schwächen der SWOT-Arbeit. Sie wiederholen Analyseergebnisse, statt sie auf eine strategisch relevante Ebene zu bringen

Genau hier setze ich KI in Workshops praktisch ein.

Der konkrete Ablauf im Workshop

Das Vorgehen ist einfach und gerade deshalb nützlich. Zuerst erarbeitet das Team die SWOT klassisch im Workshop: Diskussion, Kartenarbeit, Sammlung an der Wand. Erst nachdem dieser Denkprozess stattgefunden hat, kommt KI ins Spiel. Das ist wichtig. Denn die SWOT ist kein rein technisches Sortierproblem, sondern ein strukturierter Denkraum für das Führungsteam. Die gemeinsame Diskussion bleibt der eigentliche Kern der Arbeit

In einer Pause lassen wir die Karten fotografieren und danach von der KI einlesen und in eine erste saubere Form bringen. KI kann dabei einzelne Karten, die oft nur aus Stichworten bestehen, präzisieren, sprachlich klären und auf eine einheitliche Ausdrucksebene heben. In einem dokumentierten Praxisbeispiel dauerte dieser Schritt für Digitalisierung, Präzisierung und Konsolidierung rund 20 Minuten

Anschliessend übernimmt KI den nächsten Schritt: die Konsolidierung innerhalb der vier SWOT-Felder. Ähnliche Aussagen werden gebündelt, redundante Punkte reduziert, überlappende Inhalte zusammengeführt. Ziel ist nicht eine schönere Liste, sondern eine arbeitsfähige Übersicht. Aus 30 oder 40 Einzelkarten im Feld «Stärken» sollen nicht mehr 30 oder 40 Punkte bleiben, sondern vielleicht fünf bis sieben Kernaussagen. Dasselbe gilt für Schwächen, Chancen und Gefahren

Was dabei tatsächlich gewonnen wird

Der Zeitgewinn ist der sichtbarste Effekt, aber nicht der wichtigste. Natürlich spart KI Zeit. Sie übernimmt genau jene Arbeit, die sorgfältig gemacht werden muss, aber nicht zwingend im Plenum stattfinden sollte: ähnliche Karten vergleichen, Formulierungen harmonisieren, Mehrfachnennungen erkennen, unterschiedliche Abstraktionsebenen bereinigen. Dieser Nutzen ist konkret messbar. Doch der strategisch interessantere Effekt ist ein anderer: Die Diskussion im Team beginnt nach der Konsolidierung auf einer deutlich höheren Ebene

Sobald die verdichtete SWOT vorliegt, diskutiert das Team nicht mehr darüber, ob eine bestimmte Beobachtung überhaupt schon auf einer Karte steht. Es diskutiert darüber, ob die konsolidierte Aussage wirklich trifft.

Genau diese Klärung ist wertvoll. KI hilft, Übersicht zu schaffen. Die Gewichtung entsteht im Dialog

Aus meiner Sicht ist das der eigentliche Fortschritt. Der Workshop wird nicht beschleunigt, indem man Diskussionen ersetzt. Er wird verbessert, weil sich die Diskussion verschiebt: weg vom Sammeln und Sortieren, hin zur Verifikation, zur Schärfung und zur strategischen Gewichtung. Führungsteams gewinnen schneller ein gemeinsames Verständnis der Ausgangslage, und Diskussionen konzentrieren sich stärker auf Bewertung und Priorisierung statt auf das Sammeln einzelner Fakten

Was KI darf und was nicht

Gerade bei einem so praktischen Anwendungsfall ist die Rollenklärung wichtig. KI konsolidiert. Das Team entscheidet.

Diese Trennung ist nicht nur methodisch sauber, sondern in der Praxis entscheidend. Die endgültige Auswahl der SWOT-Elemente erfolgt immer im Workshop. KI liefert Vorschläge zur Strukturierung, nicht zur strategischen Gewichtung

Das heisst konkret: Wenn die KI aus vielen Karten fünf verdichtete Stärken formuliert, dann ist das nicht das Endergebnis. Es ist eine Arbeitsgrundlage. Das Führungsteam muss prüfen, ob die Aussage inhaltlich stimmt, ob sie die richtige Flughöhe hat und ob sie wirklich für die Zukunft des Unternehmens relevant ist. Eine Formulierung kann übernommen werden, sie kann geschärft werden oder sie wird bewusst verworfen.

Gerade darin liegt die Stärke der Zusammenarbeit. KI reduziert Komplexität, ohne Verantwortung zu übernehmen. Sie schafft Klarheit, aber sie trifft keine Entscheidung. Strategie bleibt Führungsarbeit

Warum die verdichtete SWOT so wichtig ist

Eine konsolidierte SWOT ist nicht einfach ein schöneres Workshop-Protokoll. Sie ist das Konzentrat der Analyse. Sie schafft Orientierung, Fokus und eine gemeinsame strategische Sprache. Vor allem bildet sie die belastbare Grundlage für den nächsten Schritt: die Formulierung der strategischen Fragen

Genau deshalb lohnt sich diese Verdichtung. Wenn die SWOT in einer vorstandsgerechten, managementtauglichen Form vorliegt, lässt sich mit ihr wirklich weiterarbeiten. Dann können aus Beobachtungen Fragen werden. Und erst dann wird sichtbar, worauf die Strategie später eigentlich antworten muss.

Die Erfahrung aus der Praxis ist klar: KI erleichtert die konsequente Reduktion umfangreicher SWOT-Listen deutlich. Die Wirkung der SWOT steigt, wenn die Zahl der Elemente je Quadrant klar begrenzt wird. Und eine konsolidierte SWOT verbessert die Qualität der anschliessenden Diskussion spürbar

Folgerung

Wer KI in der Strategiearbeit sinnvoll einsetzen will, muss nicht mit grossen Konzepten beginnen. Es reicht oft, an einer sehr konkreten Stelle anzusetzen, an der der Nutzen unmittelbar sichtbar wird.

Die Konsolidierung der SWOT im Workshop ist ein solcher Punkt.

Das Team denkt, sammelt, streitet und gewichtet. KI hilft danach, das Vorhandene zu präzisieren, zu bündeln und auf eine arbeitsfähige Form zu verdichten. Das spart Zeit, aber vor allem hebt es die Qualität der Diskussion. Nicht weil die Maschine strategisch denkt, sondern weil sie dem Führungsteam hilft, schneller zu dem Material zu kommen, über das es wirklich entscheiden muss.

Im nächsten Schritt wird genau aus dieser verdichteten SWOT das abgeleitet, was im Strategieprozess oft zu wenig sorgfältig behandelt wird: die strategischen Fragen. Und dort zeigt sich dann, ob die Konsolidierung wirklich gelungen ist.

Grenzen der KI beim Einsatz in der Strategieentwicklung

Einleitung

Künstliche Intelligenz (KI) hat in den letzten Jahren einen bemerkenswerten Einfluss auf viele Bereiche der Unternehmensführung, insbesondere auf die Strategieentwicklung. Bei Strategy.app haben wir verschiedene Ansätze entwickelt, um KI in den Strategieentwicklungsprozess zu integrieren. Doch trotz dieser Fortschritte sind uns in der Praxis auch Grenzen der KI aufgefallen. In diesem Artikel beleuchten wir daher die Herausforderungen, die wir bei der Nutzung von KI in der Strategieentwicklung erlebt haben, und geben Einblicke, wie wir diese in der weiteren Entwicklung von Strategy.app berücksichtigen.

KI im Strategieentwicklungsprozess

In der Zusammenarbeit mit unseren Nutzern haben wir erfolgreich KI für verschiedene Aufgaben eingesetzt, darunter:

Doch bei der Anwendung zur Ausarbeitung strategischer Optionen sind wir auf Herausforderungen gestossen, die wir im Folgenden näher erläutern.

Die Grenzen der KI in der Strategieentwicklung

1. Allgemeine Vorschläge

Ein zentrales Problem war die Allgemeinheit der Vorschläge, die die KI generierte. Viele der Ideen waren plattitüdenhaft und liessen sich ohne tiefes Verständnis der spezifischen Unternehmenssituation anwenden. Dies stellte sich als Limitation der KI heraus, die oft auf vorgefertigten Daten und Modellen basiert.

2. Mangelnde unternehmensspezifische Daten

Die KI benötigt daher umfangreiche und qualitativ hochwertige Daten aus dem Unternehmen, um relevante Analyse- und Entwicklungsergebnisse liefern zu können. In unserem letzten Projekt war der Mangel an spezifischen Informationen wahrscheinlich der Grund dafür, dass die Vorschläge der KI weniger anpassbar und konkret waren.

3. Fehlender kontextueller Bezug

Ein weiteres Problem stellte die geschwungene Sprache der KI dar, die oft den Eindruck von Wissen vermittelte, jedoch bei näherer Untersuchung wenig Substanz aufwies. Die KI kann zwar Texte generieren, jedoch muss sie im richtigen strategischen Kontext arbeiten, um wirkliche Mehrwerte zu schaffen.

Lehren aus der Praxis

Durch unsere Erfahrungen haben wir wichtige Erkenntnisse über die Grenzen der KI gewonnen, die wir in die Entwicklung von Strategy.app einfliessen lassen:

  1. Datenqualität und -quantität: Die Qualität der Entscheidungen, die von der KI abgeleitet werden, hängt stark von der Menge und der Qualität der zur Verfügung gestellten Daten ab.
  2. Klare Vorgaben setzen: Wir müssen den KI-Systemen klare Erwartungen und spezifische Anweisungen geben, damit sie zielgerichtete Ergebnisse liefern können.
  3. Kontextualisierung der Anfragen: Die Definition dessen, was strategisch sinnvoll ist, muss zielgerichtet übermittelt werden. Dieses Alignment ist entscheidend für die Effektivität der KI.

Fazit

Obwohl wir bei der Anwendung von KI in der Strategieentwicklung auf Herausforderungen gestossen sind, erkennen wir gleichzeitig auch das Potenzial dieser Technologie. Nicht alles, was die KI vorgeschlagen hat, war schlecht; im Gegenteil, es gab zwei vielversprechende Ideen, die wir in unseren strategischen Prozess aufgenommen haben.

Wir sind bestrebt, diese Grenzen der KI zu überwinden und eine Plattform zu entwickeln, die es KMU ermöglicht, ihre Unternehmensstrategien durch die Kombination von Mitarbeiterwissen und KI-Intelligenz effektiv zu gestalten.

Neugierig?

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